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Bundesligastart: WM-Helden im Deutschlandtrikot: Wie fit sind Lahm und Co.?

Veröffentlicht: Dienstag, 29. Juli 2014 um 14:30 Uhr

Auch wenn die deutschen WM Helden um Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Co. sich derzeit noch im wohlverdienten Urlaub befinden, muss man sich die Frage stellen, ob sich die deutschen WM-Teilnehmer nach dem Titelgewinn in Brasilien ausreichend erholen können? Denn nach gerade einmal drei Wochen Regenerationszeit geht es für die Nationalspieler zurück zu ihren Vereinen, die mit Hochdruck für den Bundesliga-Start trainieren. Nun hat sich ein Sportmediziner zur Thematik zu Wort gemeldet, wobei dieser unter anderem auf Mats Hummels Probleme zukommen sieht. Aber auch beim FC Bayern droht Ungemach.

Dr. Hans Müller-Wohlfahrt, der Mannschaftsarzt des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft, sorgte letzte Woche mit seiner Aussage über Bastian Schweinsteiger für Aufsehen: „Schweinsteiger bräuchte sechs Wochen Pause. Mindestens!“ Und der Mediziner ist nicht der erste, der sich bedenklich zu der kurzen Erholungsphase der Nationalspieler nach ihrem erfolgreichen, aber kräftezehrenden WM-Einsatz äußert. Denn für fast alle Spieler gilt, dass es bereits nur wenigen Tage nach dem Trainingsstart mit dem ersten Pflichtspiel losgeht. So ist die Frage, ob die Spieler überhaupt ausreichend Zeit haben, sich von den Strapazen der Weltmeisterschaft zu erholen, nicht unberechtigt.

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Nationalspieler „werden Defizite“ haben

Auch Dr. Markus de Marees, Leiter der Abteilung Leistungsphysiologie des Instituts für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule in Köln, äußerte sich zu der kurzen Regenerationszeit nach der Weltmeisterschaft: „Was die Fitness betrifft, werden die Spieler Defizite haben. Sie können in drei Wochen nicht auf dem gleichen Level sein wie zu Beginn der WM.“ Klar ist auch, dass sich der Leistungsstand verschlechtern wird, da die Profis im Urlaub nur wenig trainieren. Dies stellt für de Marees aber kein Problem dar, weil kein Sportler ein Spitzenniveau über zwölf Monate halten könne. Vielmehr ergänzt er: „Die Pause führt aber andererseits dazu, dass verschiedene Blessuren heilen können.“

Bereitet WM-Titel FC Bayern Probleme?

So wird beispielsweise Schweinsteiger, der im gesamten Turnier seine Nehmerqualitäten unter Beweis stellte, vermutlich gesund aber eher unfit zu den Bayern zurückkehren. Besonders beim FC Bayern, deren sechs deutsche WM-Fahrer (Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger, Mario Götze, Thomas Müller) Anfang August in die Vorbereitung einsteigen, steht man vor einer großen Herausforderung, zumal auch mit Arjen Robben und Dante noch zwei weitere Stammspieler bis zum Ende der WM im Einsatz waren.

Zwar werden prominente Akteure wie Franck Ribery, David Alaba oder Neuzugang Robert Lewandowski, die nicht bei der Weltmeisterschaft waren, die komplette Saisonvorbereitung absolvieren, aber Fakt ist auch, dass Bayern München zuletzt nach der Saison 2002/03 nach einer WM den Titel holte. Nach einem deutschen WM-Titel ging der Rekordmeister aus dem Süden hingegen im nationalen Titelrennen immer leer aus.

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Keine Bendenken bei Khediras Kreuzband

Nicht verwunderlich war die Tatsache, dass Sami Khedira nach seiner Blitzgenesung von seinem Kreuzbandriss zum WM-Auftakt nicht wirklich fit wirkte. Doch im Laufe des Turniers fand der Mittelfeldspieler von Real Madrid zu seiner alten Form zurück. So schienen die Sorgen unbegründet zu sein, dass die Verletzung nach der hohen Belastung wieder aufbrechen könnte oder das das Kreuzband nicht vollständig zusammen gewachsen sei. „Es gibt Menschen bei denen es schneller geht. Sami Khedira scheint eine sehr gute Veranlagung zu haben“, erklärte Sportmediziner de Marees. Wenn sich das Knie erst einmal an die Belastung gewöhnt hat, bestünde kein erhöhtes Risiko mehr.

Hummels als mögliches BVB-Sorgenkind

Auch Dortmunds Mats Hummels plagte sich in Brasilien immer wieder mit kleineren Problemen herum und musste wegen einer Grippe, einer Oberschenkelprellung und einer Sehnenreizung im Knie sogar einige Male mit dem Training und sogar das Achtelfinale gegen Algerien (2:1 n.V.) aussetzen. Nach Aussagen von Dr. de Marees könnte dies in der anstehenden Saison zu einem Problem werden: „Wenn man dem Körper nach einer Verletzung nicht genug Zeit zur Regeneration lässt, erholt sich das Gewebe nicht vollständig.“ Dies führt dann meist zu einem erhöhten Verletzungsrisiko. Doch da er Hummels nicht selbst behandelt, könne er keine konkrete Diagnose erstellen.

Zudem hat BVB-Trainer Jürgen Klopp gerade auf der Innenverteidiger-Position mit Neven Subotic, Sokratis sowie Neuzugang und WM-Fahrer Matthias Ginter ausreichend Alternativen in der Hinterhand, um Hummels dann und wann die nötige Verschnaufpause zu geben.

Motivationsprobleme als weitere Gefahr?

Doch bei den deutschen WM-Fahrern werden wohl nicht nur die körperlichen Aspekte eine Rolle spielen. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass nach solch einem triumphalen Erfolg wie dem Gewinn eines WM-Titels, was für alle Beteiligten zweifelsohne das bisherige Karriere-Highlight war, Probleme mit der Motivation auftreten können. Schließlich ist es keine leichte Aufgabe, sich nach den Erfahrungen und Erlebnissen in Brasilien wieder auf den Bundesliga-Alltag einzustellen und sich auf Auswärtsspiele in Freiburg oder Paderborn vorzubereiten.

Doch ein Gutes kann man der kurzen Regenerationsphase der WM-Fahrer abgewinnen: Denn für die kommende Bundesligasaison 2014/15 ist nicht unbedingt wieder mit einem Alleingang der Bayern im Titelrennen oder ein Privatduell zwischen Bayern und Dortmund zu rechnen, was im Umkehrschluss eine spannende Saison verspricht.

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