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WM 2014: Sind die lateinamerikanischen Teams besser als Europa?

Veröffentlicht: Dienstag, 24. Juni 2014 um 23:59 Uhr

Drei europäische Teams aus dem Turnier ausgeschieden

Noch nie hat eine europäische Mannschaft in Südamerika den WM-Titel gewonnen. Auch in Brasilien haben sich die ersten europäischen Mannschaften bereits aus dem Turnier verabschiedet, während Lateinamerika groß auftrumpft. Große, europäische Mannschafen wie England oder Spanien sind bereits draußen, während die lateinamerikanischen Mannschaften wie Kolumbien oder Costa Rica sich nach zwei Spielen bereits vorzeitig für das Achtelfinale qualifiziert haben. Die ersten 2 Achtelfinale bestehen aus 3 amerikanischen Teams, lediglich Holland aus Europa. Sind die Amerikaner tatsächlich besser?

Fest qualifiziert:

Gruppe A: Brasilien, Mexiko

Gruppe B: Niederlande, Chile

Gruppe C: Kolumbien

Gruppe D: Costa Rica

Gruppe F: Argentinien

Die qualifizierten Teams im Achtelfinale

NationKontinent / quailifiziertEndrunden-
Gruppe
Brasilien SüdamerikaGruppe A
Chile SüdamerikaGruppe B
Kolumbien SüdamerikaGruppe C
Costa RicaMittelamerikaGruppe D
Uruguay Asien/SüdAmerika-PlayoffGruppe D
Mexiko Amerika/Ozeanien PlayoffGruppe A
Griechenland Europa PlayoffsGruppe C
Niederlande EuropaGruppe B
ArgentinienSüdamerikaGruppe F
NigeriaAfrika PlayoffsGruppe F
Schweiz EuropaGruppe E
Frankreich EuropaGruppe E
USA Nord/MittelamerikaGruppe G
Deutschland EuropaGruppe G
Belgien EuropaGruppe H
Algerien Afrika PlayoffsGruppe H

Gute Chancen haben zudem Uruguay (Gruppe D) und Ecuador (Gruppe E)

Europa bisher ohne Titel in Südamerika
Zehn WM-Titel haben Italien (4), Deutschland (3), Spanien, Frankreich und England (je einen) bereits gesammelt, aber noch nie hat ein europäisches Team die Weltmeisterschaft in Nord- oder Südamerika gewonnen. Spanien und England verabschiedeten sich nach nur zwei Spielen, auf Italien wartet am heutigen Dienstag ein echtes Endspiel um den Einzug ins Achtelfinale gegen Uruguay.

italien-uruguay

Frankreich spielt groß auf
Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika war Frankreich einer der großen Verlierer des Turniers. Die „Le Bleus“ schieden in der Gruppenphase als Tabellenletzer aus. Die traumatischen WM-Erlebnisse von 2010 sind vergessen. Sie haben bisher beeindruckende acht Tore in zwei Spielen. Überragender Spieler der Franzosen ist Karim Benzema (Real Madrid), der trotz verschossenem Elfmeter gegen die Schweiz nicht zu bremsen war. Das Team von Didier Deschamps, der 1998 mit Frankreich als Spieler Weltmeister wurde, gehört nun plötzlich zu den Titelkandidaten. „Da entwickelt sich eine Kraft“, stellte er fest. Deschamps betonte auch die mentale Stärke seines Teams.

England draußen – Jobgarantie für Hodgson
Ertmals seit 1958 scheiterte das englische Nationalteam bei einer Weltmeisterschaft bereits schon nach der Vorrunde. Das 1:2 gegen Uruguay durch zwei Tore von England-Legionär Luis Suarez riss die englischen Stars um Wayne Rooney aus allen Träumen, das endgültige Scheitern besiegelte Costa Rica mit dem 1:0 über Italien „Wir sind in diesem Turnier an einem Punkt angekommen, an dem wir nie stehen wollten.“, sagte Steven Gerrad. Ob er dem Team über die WM hinaus zur Verfügung steht, ließ der Kapitän offen. „Ich denke, dass ich den Schmerz und das Gefühl wegschieben muss und schaue, was die nächsten vier oder fünf Tage passiert“, sagte der Mittelfeldspieler vom FC Liverpool. Spieler und Trainer hatten selbst nicht mehr an das Achtelfinale geglaubt.

„Unsere Chancen sind sehr gering“, meinte Hodgson. Wenige Minuten vor Anpfiff der Italien-Partie stellte der Verbandschef Greg Dyke dem englischen Nationaltrainer eine Jobgarantie aus: „Wir unterstützen Roy Hodgson und haben ihn gebeten, als Englands Coach zu bleiben“. Die beiden Symbolfiguren für den bitteren K.o. sind Steven Gerrard und Wayne Rooney. Der Stürmerstar von Manchester United schoss nach all der Kritik in den vorangegangenen Tagen zwar endlich das erste WM-Tor seiner Karriere, doch Uruguay-Torjäger Luis Suárez vom großen Rivalen FC Liverpool traf gleich zweimal. Wie schon so oft in der abgelaufenen Premier-League-Saison war der 27-Jährige besser im Spiel als der englische Superstar. Und Rooney war danach so enttäuscht, dass er kommentarlos von der Kabine in den Mannschaftsbus schlich. Gerrard hatte zum entscheidenden zweiten Tor von Suárez die unfreiwillige Vorarbeit geleistet. Er lenkte den Ball mit dem Hinterkopf unglücklich weiter. Im ersten Gruppenspiel der Italiener (1:2) machte der 33-Jährige zwar keinen Fehler, setze im Spiel aber kaum Akzente und blieb blass. Nach dem verlorenen Titelkampf in der englischen Liga nun der nächste Rückschlag für den Routinier.

Nach 1950 wieder ein Titelverteidiger in der Gruppenphase ausgeschieden
Mit Spanien ist noch ein großes, europäisches Team bereits in der Gruppenphase gescheitert. Sie sind mit einem 0:2 gegen Chile bereits in der Vorrunde gescheitert. Das hatten vor der WM in Brasilien die wenigsten für möglich gehalten. „Es gibt keine Entschuldigungen“, sagte der enttäuschte Erfolgstrainer Vicente del Bosque. „Ich hätte nie gedacht, dass wir die WM nach der ersten Runde verlassen würden.“ Vom Ende einer Ära, auch vom Ende seiner eigenen, wollte er aber nichts wissen: „Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um darüber zu reden.“

Tabelle der Gruppe B

Nr.TeamSpielePunkteTore
1Niederlande 3910:3
2Chile 365:3
3Spanien 334:7
4Australien 303:9

Del Bosque hatte erst im Frühjahr seinen Vertrag bis 2016 verlängert. Auch Kapitän Iker Casillas wirkte betroffen: „Es ist schwierig zu erklären, was passiert ist“, sagte er. Eduardo Vargas und Charles Aranguiz hatten die Spanier bereits in der ersten Halbzeit aus dem Turnier geschossen. „Das ist fantastisch – der schönste Augenblick in der chilenischen Fußball-Geschichte“, sagte der Ex-Leverkusener Arturo Vidal glückstrahlend im ARD-Fernsehen. Chile steht nun ebenso bereits im Achtelfinale wie die Niederlande, die zuvor Australien mit 3:2 bezwangen. Oranje hatte Spanien fünf Tage zuvor beim denkwürdigen 5:1 gedemütigt. Mit den Triumphen bei der EM 2008 und der EM 2012 sowie bei der WM 2010 war den Spaniern Einzigartiges gelungen. Bei der WM 2014 schrieben sie erneut Fußball-Geschichte: Nur 1950 war der Titelverteidiger schon vor dem Ende der Vorrunde gescheitert. „Wir verlassen Brasilien sehr enttäuscht und angeschlagen“, sagte Spaniens Kapitän Casillas. Unmittelbar nach dem Spiel kamen Gerüchte über einen Rücktritt einiger Stars aus dem spanischen Nationalteam.

Keine Lateinamerikanische Mannschaft in Gruppe H
Sollte die deutsche Mannschaft das Achtelfinale erreichen, wird sie noch nicht auf eine lateinamerikanische Mannschaft treffen. In der Gruppe H ist mit Belgien, Russland (Europa), Algerien (Afrika) und Südkorea (Asien) keine Mannschaft aus Lateinamerika dabei. Sollte die deutsche Mannschaft aber ins Viertelfinale kommen, könnten sie auf eine Mannschaft aus Süd- oder Nordamerika treffen. Die möglichen lateinamerikanischen Gegner aus Gruppe E sind Ecuador (Südamerika) und Honduras (Nordamerika). In der Gruppe F kommt nur Argentinien aus Südamerika in Frage. Zahlreiche europäische Teams beschwerten sich in den letzen Tagen über das ungewohnte Klima in Braslilien. Sollten in den nächsten Tagen noch mehr europäische Mannschaften aus dem Turnier ausscheiden, ist die WM 2014 aus der Sicht der Europäer mehr als nur enttäuschend gewesen.

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